Als junges Mädchen habe ich meine Mutter regelmäßig beim Zelten verloren. Nicht, dass ich einfach weggelaufen wäre oder sie auf einem belebten Markt oder in einem überfüllten Supermarkt aus den Augen verloren hätte, nein... sie ging auf die Toilette und war dann für eine Stunde weg. Oder eineinhalb Stunden. Auf dem Weg dorthin musste sie an zehn oder zwölf Campingplätzen vorbei, und genau das war das Problem. Denn meine Mutter konnte nie einfach "Hallo" sagen und weitergehen. Überall, wo sie die Gelegenheit dazu hatte, stand sie zehn Minuten (oder länger) und plauderte. Und wir dachten: 'Wo ist sie?
Vielleicht erinnern Sie sich an den Film 'Movie' von Paul de Leeuw. Paul spielt Bob de Rooij und ist zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Campingplatz. Nach dem Aufwachen schmiert er sich einen Klecks Speichel in die Haare, läuft über den überfüllten Campingplatz zum Toilettenhäuschen und muss auf dem Weg dorthin etwa 15 Leuten guten Morgen sagen. Nur so lange, bis er völlig genervt ist. Auf dem Rückweg grüßt wieder die ganze Menge Bob, bis er irgendwann an seine Grenzen stößt. "Vielleicht bin ich ja verrückt, aber habe ich Ihnen nicht gerade auch guten Morgen gesagt? Hat es dir gefallen? Wisst ihr, was mir jetzt Spaß machen wird? Ich werde mir einen Spaß daraus machen, deine Zeltstangen auszurichten!" Und dann bricht das ganze Vorzelt samt Blumenvorhängen zusammen.
Es ist natürlich eine übertriebene Darstellung der Realität, aber es gibt auch eine Art von gemeinsamer Komik in diesem Stück Film. Ich weiß es ja auch nie. Wie oft sagen Sie "Hallo"? Der Nachbar geht auf die Toilette und ich grüße. Der Nachbar kommt zurück und ich grüße wieder. Der Nachbar geht wieder zur Toilette - diesmal mit Toilettenpapier - grüße ich wieder? Nein, soll ich? Oder doch? Oder tue ich es nicht? Eine andere Situation: Ich gehe zur Rezeption, um meine Brötchen zu holen, während die Nachbarn bereits frühstücken. Ich grüße und sage "Guten Appetit". Dann gehe ich zurück, komme wieder an dem Zelt vorbei und unsere Blicke kreuzen sich erneut. Soll ich dann wieder grüßen? Aaaargh!
Wie oft grüßt man sich auf dem Campingplatz, ohne dass es übertrieben oder ungemütlich wird? Ich möchte niemanden verärgern, aber ich möchte auch nicht die mürrische Campinghexe sein. Wahrscheinlich denke ich einfach viel zu viel darüber nach, aber wo ist das Gleichgewicht? Als Frau muss man im Umgang mit anderen Frauen vorsichtig sein, denn ehe man sich versieht, grüßt man ihren Mann zu oft und wird zum Gespött des Campingplatzes. Oder man grüßt sie zu wenig und ist eine Schlampe. Normalerweise lächle ich nur und nicke unbeholfen, wenn es zu oft hintereinander vorkommt. Ich hoffe, das reicht.
Was das Reden angeht, so fällt es mir normalerweise leichter. Ich ertappe mich dabei, wie ich immer mehr zu meiner Mutter werde. Nicht, dass ich auf dem Weg zur Toilette zehn Zelte besuche, aber insgeheim finde ich ein Gespräch, das zufällig auch nett ist. Und ich kehre regelmäßig ins Zelt zurück, wenn mein Mann mich fragt: "Wo warst du so lange?", wenn ich abwaschen wollte. Ich unterhalte mich auch gerne ausgiebig mit ein paar anderen Eltern, während die Kinder sich im Fluss vergnügen. In der Zwischenzeit hat mein Mann dann ein viertel Buch gelesen. Und ein anderes Mal stehe ich abends untätig plaudernd an einem Fußballplatz, wo die Kinder vom Campingplatz ein Turnier austragen. Erst dann sehe ich, dass die Sonne untergeht. Und kein Kind spielt mehr Fußball. "Ruh dich trotzdem aus", ist meist die Reaktion, wenn ich zurückkomme. Aber ich genieße es auch, einfach nur ein nettes Gespräch zu führen. Alle sind in gemütlicher Urlaubsstimmung, herrlich, nicht wahr!
Nächste Woche werden wir zu unserem nächsten Campingabenteuer aufbrechen. Diesmal in die Camargue. Und ich freue mich schon sehr darauf. Denn abgesehen von den Gesprächen auf dem Campingplatz hat man als Familie plötzlich viel mehr Zeit, um wirklich miteinander zu reden. Schließlich muss niemand mehr etwas tun. Und in dieser ruhigen Atmosphäre ergeben sich oft die besten Gespräche, selbst mit einem Teenager, der normalerweise lieber ausweichende Antworten gibt. Nur noch ein paar Tage Arbeit und dann ist es soweit. Und in der Zwischenzeit stimmen wir uns darauf ein, indem wir googeln, was wir vor Ort alles unternehmen können: Dinge, die wir nicht tun müssen, auf die wir aber alle Lust haben. Aber bis dahin haben wir noch eine Menge zu packen, also sage ich erst einmal: Auf Wiedersehen! Und bis zu meinem nächsten Blog, in dem ich all die tollen Camargue-Tipps mit euch teilen werde.